Dienstag, 10. September 2013

Große Ankündigung.

Das ist aber schön, nicht wahr?
Fenster und Visionen wird bald TRI-MEDIAl.
Neben Geschreibe, Geschmiere, eher so mittelguten Photos und einem Hauch filmischer Expression weiß der Macher von Fenster und Visionen jetzt auch mit einem Ausflug in die Welt der Hörspiele zu begeistern.
Also nicht wie so ein unglaublich kultureller Schauspieler-Mensch, der in schwarz-weiß mit halb zusammengekniffenen Augen in die Kamera guckt und irgendeinen maßlos kulturellen Text viel besser als andere - weil er ja Schauspieler ist, aber auch weil er unglaublich kulturell bewandert ist - vorließt, sondern eher so ???-mäßig mit verschiedenen Stimmen und Geräuschen und solchem Zeug.


Dienstag, 5. März 2013

Ein Ringen um Rationalität.


In „Halt auf freier Strecke“ spricht der todkranke Familienvater Frank Lange in sein Handy: „Hallo.“ „Hallo“, antwortet es sogleich aus dem Apparat, mechanisch verfremdet. „Ich habe einen Gehirntumor.” Unmittelbar darauf folgt das Echo. Kalt, emotionslos. Frank Lange hat Freude an dem Gerät, er spielt damit, er lacht. Und fragt dann, plötzlich ernst: „Wie sage ich es meinen Kindern?“. Doch die Maschine gibt keine Antwort, sie repetiert nüchtern „Wie sage ich es meinen Kindern?“. Dann ist es still. Verlassen sitzt Frank Lange auf einem Stuhl.

Der Kranke weiß, dass die Information über seinen nahenden Tod starke Gefühle bei seinen Kindern auslösen wird: Angst, Wut, Verzweiflung. Gefühle, in denen er selbst noch gefangen ist. Doch er sucht, sie zu überwinden, vernünftig zu sein, um seine Kinder zu schützen. Er will ihnen nicht ungefiltert seine Last aufbürden. Er denkt rational. Die Liebe und Verantwortung, die er empfindet, erweisen sich als noch stärkere Gefühle. Sie treiben ihn, die Frage zu stellen, ein Problem zu erkennen. Sie sind die Motivation, eine rationale Lösung zu finden.

Gefühle sind Teil der menschlichen Natur, ebenso die Fähigkeit zur Rationalität. Beides sind Werkzeuge, die notwendig sind, das eigene Überleben und auch das der Art zu sichern.

Doch während das ganze Spektrum der Emotionen von Beginn an nahezu vollständig vorhanden ist, ist es die Rationalität nicht. Der Mensch kommt nicht vernünftig denkend zur Welt, sondern nur Vernunft begabt.

Diese Begabung kann individuell unterschiedlich ausgeprägt sein. Sie ist möglichweise, wie andere Talente auch, in unterschiedlichem Maß auf die Individuen verteilt. Darüber hinaus muss Rationalität selbst erworben werden. Von kleinen Kindern erwarten wir kein rationales Handeln. Wir wissen, dass sie es erst lernen müssen, wie laufen, sprechen oder integrale Gleichungen lösen.

Dieser Unterschied könnte auch verantwortlich dafür sein, dass dem Handeln ein anderer Wert beigemessen wird, je nachdem, ob es vom Gefühl oder vom Verstand geleitet wird. Das rationale Handeln gilt als überlegen. Es wird als Zeichen von Reife und Intellektualität wahrgenommen und im Allgemeinen höher bewertet. Das emotional dominierte Handeln ist mit gegenteiligen Attributen belegt. Pure Emotionalität bei Erwachsenen gilt als unreif, kindisch, dümmlich und sogar peinlich. Davon ausgenommen, wenn auch nur zeitlich befristet, sind sehr starke existentielle Gefühle wie Trauer, Schmerz oder Freude.

Eine weitere Differenzierung ist die Umgebung, in der die Handlung stattfindet. Im privaten Rahmen ist durchaus ein wesentlich höherer Grad an Emotionalität erlaubt, in der Öffentlichkeit deutlich weniger und im beruflichen Umfeld wird ein gefühlsbetontes Handeln häufig sogar mit Inkompetenz und Unprofessionalität gleichgesetzt. Ein emotionales Argument hat kein Gewicht und es entwertet auch den Vortragenden. Ein „Das fühlt sich für mich falsch an.“ oder „Ich habe dabei ein gutes Bauchgefühl.“ wäre das Ende einer jeglichen Managerkarriere.

Die Erwartung an rationale Entscheidungen steigt proportional zur Hierarchie des Handelnden. Ein Grund dafür könnte sein, dass die leitenden Funktionen mit mehr Verantwortung betraut sind und ihre Entscheidungen Auswirkungen auf viele Menschen, große Geldbeträge und lange Zeiträume haben können.

Wir erwarten, dass Entscheidungen schlüssig aus Fakten abgeleitet werden. Objektiv. Darauf stützt sich unser Vertrauen. Deshalb sind wir bereit, auch Härten zu ertragen, die daraus entstehen. Wir glauben an die Vernunft und daran, dass die Vernunft den einzig richtigen, den besseren Lösungsweg kennt.

Und genau das ist nach meiner Ansicht ein Fehler: Rationalität sollte nicht mit Objektivität verwechselt werden. Sie ist vernunftgeleitet, aber auch, und das ist entscheidend: zweckmäßig. Man kann über die Rationalität also höchstens sagen, dass sie unter Zugrundelegung der ausgewählten oder auch nur der bekannten Fakten geeignet ist, bestmöglich einen bestimmten Zweck zu erfüllen.

Um eine rationale Entscheidung bewerten und beurteilen zu können, reicht es nicht aus, den souverän vorgestellten Lösungsweg zu kennen. Eine Prüfung sollte den Fakten und deren Quellen gelten. Denn bereits die Auswahl und Gewichtung der Fakten sind subjektive Prozesse. Auch wissenschaftliche Ergebnisse sind im besten Fall nur so gut wie die Instrumente, die dafür zur Verfügung stehen. Die Erkenntnisse, die daraus gewonnen werden, sind immer nur Erkenntnisse ihrer Zeit. Sie stehen unter dem Einfluss der kulturellen und auch technischen Entwicklungsstufe, der Religion, der herrschenden Ethik.

Als die Menschen im Mittelalter glaubten, dass die Pest eine von Gott gesandte Strafe war, war diese Erklärung durchaus rational hergeleitet. Ohne Kenntnis der Existenz von Yersinia Pestis und mit einem übergroßen Einfluss der Kirche war das ein nachvollziehbarer Schluss. Dass man in weiten Teilen Europas den Juden dafür die Schuld gab und dieses schrecklich ahndete, war ebenfalls rationales Handeln, aber deshalb weder richtig noch gut.

Eine weitere Prüfung einer vorgetragenen Rationalität sollte den Zweck hinterfragen. Eine bestimmte Aufgabe kann zu sehr unterschiedlichen Lösungen führen, jede für sich schlüssig, nachvollziehbar, vernünftig. Die wichtigen Fragen sind: Wem nutzt das? Was ist die Motivation?

Motivation und Zweck hängen unmittelbar zusammen. Die Motivation ist der Anfang. Sie ist der Motor des Handelns und in den meisten Fällen eine Emotion. Ist in einer Unternehmensführung die Motivation Gier, dann ist der Zweck des Handelns die Gewinnmaximierung und der Weg sind Lohndumping, Entlassungen und Outsourcing. Ein schlichtes Überleben der Firma und ihrer Angestellten ließe sich vielleicht auch mit anderen Mitteln erreichen. Entscheidend ist die Motivation. Sie beschreibt das Problem, von ihr gehen die Fragestellung und die Zielsetzung aus. Damit entscheidet sie auch über die Argumentationskette.

Lassen sich also Verstand und Gefühl trennen? Ich meine: nein. Rationales und emotionales Handeln lassen sich nicht trennen. Das rationale ist eine Höher- eine Weiterentwicklung. Es sitzt auf der Emotion, aber es ersetzt sie nicht.

Würde man die Gegensätzlichkeit konsequent verfolgen, dann wären Verstand und Gefühl wie die beiden Endpunkte einer Geraden. 100 % Gefühl hätten den Wert Null und 100 % Verstand den maximalen Wert. Dann wäre die vollkommene Emotionslosigkeit die Krönung menschlichen Handelns. Andererseits bezeichnen wir aber das Fehlen von Gefühl, als unmenschlich.

Das Bild der Gegenpole, die Trennung von Verstand und Gefühl muss also falsch sein. Kehren wir zurück zu den Anfängen, dass Emotion und die Fähigkeit zur Rationalität naturgegeben sind, dann müsste das Bild ein anderes sein.

Ich schlage ein Koordinatensystem vor. Die x-Achse bildet dabei die Vielfalt der Emotionen. Die y-Achse gibt den Grad der Rationalität an, auf dem Y-Null-Wert also nur die Fähigkeit dazu und auf dem festgelegten Wert 100 die maximale Schlüssigkeit und Zweckmäßigkeit.

Auf diese Weise ließe sich darstellen, dass rationales Handeln nicht unabhängig von Gefühlen ist und dass auch bei unterschiedlich motiviertem Handeln der gleiche Grad von Vernunft erreicht werden kann.

Die Rationalität selbst ist wertfrei. Entscheidend sind die Motivation und das daraus entwickelte Ziel, der Zweck des Handelns.

Irgendwo auf dieser y-Achse wird auch der todkranke Frank Lange Antwort auf seine Frage finden, vielleicht auf halber Strecke.

Freitag, 1. März 2013

Ein kleinerer Text.


„Nun erzählen Sie doch mal!“, forderte mich mein Bewährungshelfer auf. 
Einige Minuten hatten wir einfach so voreinander gesessen, schweigend. Nun war es ihm wohl zu langweilig geworden. 

Dienstag, 15. Januar 2013

Das Telephongespräch.

Letzte Woche, da wollte man mich in ein Telephongespräch verwickeln. Glücklicherweise ist das bei mir nicht so einfach, mich zu verwickeln, mir Dinge telephonisch schmackhaft zu machen, damit ich am Ende Geld ausgebe. Ja, ich würde sagen, ich bin ganz gut darin, brenzligen Situation zu entfliehen. Ich bin aalglatt. Diese "Aalglatt-heit" liegt zum Teil auch in meiner gewaltigen Eloquenz begründet - doch, lest selbst:


„Ja, hallo. Guten Tag. Aymaz, mein Name. Ich rufe Sie von der ******** GmbH an. Ich hätte gerne den Anke- Ich hätte gerne den Herrn Anke Ri- ist denn die Frau Anke Richter zu sprechen?“

„Nein, meine Mutter ist nicht da.“

„Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.“

„Tschüss.“ 

(Ich habe das so mitstenographiert.)

Mittwoch, 2. Januar 2013

Ein düsterer Traum

Am 11.08.2011 hatte ich einen Traum.


Wir sitzen in einem Raum nicht ganz unähnlich dem Wohnzimmer meiner Großeltern. Wir sitzen dort im Kreis. Die Stimmung ist bedrückend. Alle warten; es ist bekannt, worauf alle warten, doch keiner spricht es aus.
Mein Gehirn ist kaputt. Ein Mädchen hat sich bereit erklärt, mir ihres zu vermachen, damit ich in Gesundheit weiterleben kann. Sie selbst wird ohne ihr Gehirn nicht sterben. Ihr steht ein Leben als vollkommender Pflegefall bevor.