Und da ich jetzt Student bin, erlebe ich solche Sachen.
Hier
im Hörsaal ist es angenehm warm. Heizen die von der Leuphana eigentlich mit
Biostrom?
Von
meinem Platz im Auditorium habe ich einen guten Blick durch die Fenster nach
draußen und kann beobachten, wie die Natur um mich herum verwelkt. Es wird
Winter. Die sonnigen Tage am Wochenende – ein letztes Aufbäumen. Doch die Kälte
kommt mit schnellen Schritten, schon am nächsten Wochenende sollen es nur noch
fünf Grad sein.
Ganz
vorne im Hörsaal steht Doktor Kora Kristof; sie kommt vom Umweltbundesamt und
will uns etwas über Nachhaltigkeit erzählen. Ihr Thema: „Globaler Wandel als
gesellschaftliche Herausforderung: Multiple Krisen und die große
Transformation“.
Kora
Kristof beginnt. Es geht um Leitfragen. Ich schreibe artig mit: „Was erwärmt
Ihr Herz und fühlt sich gut für Sie an...“ – Ja, das könnte ich Frau Doktor
leicht beantworten. Nun, gewiss würde ich mich besser fühlen, wenn ich etwas zu
Essen bekäme, denn ich habe Hunger. In meinem Rucksack finde ich einen
Apfel.
Während
Kora Kristof so redet, schweift mein Blick immer wieder nach draußen auf die
Bäume vor dem Auditorium. Noch besitzen sie Blätter, doch auch diese haben sich
bereits angefangen zu verfärben und ein Großteil von ihnen befindet sich schon
tot, traurig auf der Erde zu ihrem Stamm zusammengefegt.
Wenn
ich die Bäume vor dem Fenster so betrachte, dann fällt mir auf, dass ich gar
nicht weiß, um was für Gewächse es sich handelt. Mein Blick kehrt wieder zu
Frau Kristof zurück, die währenddessen über „Urban-Gardening“ referiert und
schließlich auf den angebissen Apfel in meiner Hand.
Ich
stelle mir vor, wie es wäre, wenn statt dieser, mir namentlich unbekannter
Vegetation, sich Apfelbäume vor dem Auditorium befänden. Freilich könnte man
sich, bekäme man Hunger, einen frischen Apfel pflücken und würde Geld sparen.
Geld, das man sonst in der Mensa für ein warmes Mittagessen ausgegeben hätte.
Und
auch das Management der Universität würde gewiss einen Nutzen aus den
Apfelbäumen zu ziehen wissen. Ein Teil der Äpfel würden sie sicherlich zu Saft
verarbeiten und dann verkaufen. Schokoladenriegel und Süßigkeiten in der Mensa
würden durch luftgetrocknete Apfelringe, als auch Apfelkuchen ersetzt.
Ich
beiße ein großes Stück aus meinem „Holsteiner Cox“ heraus. Jedes Jahr würden
die Bäume neue Früchte tragen.
Ja,
während mir die Nachhaltigkeit im süßem Saft auf der Zunge zergeht, erinnert
mich meine Winterjacke, die zu meinen Füßen liegt daran, was die Natur draußen
vor dem Fenster bestätigt: Es ist Herbst.
Die
große Transformation zu einem mit Kernobstgewächsen bestückten Campus wird wohl
einstweilen ausbleiben.
Ich
schaue auf meine Notizen und mir fällt auf, dass ich Frau Doktor Kristofs Frage
am Anfang des Vortrages noch nicht zu Ende gelesen habe. „Was erwärmt Ihr Herz
und fühlt sich gut für Sie an rund um das Thema Nachhaltigkeit?“
Ja,
auch diese Frage kann ich sofort beantworten: Es fühlt sich gut an, zu wissen,
dass Mutter Erde nachhaltig noch nicht so geschädigt ist und auch weiterhin so
etwas wie Jahreszeiten zulässt. In einem halben Jahr wäre dann schon wieder Frühling. Die
ersten lauen Sonnenstrahlen und Maiglöckchen. Ja, der bloße Gedanke daran erwärmt
mir mein Herz.
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