Donnerstag, 8. November 2012

Tagträume, die mein Herz erwärmen


Und da ich jetzt Student bin, erlebe ich solche Sachen.


Hier im Hörsaal ist es angenehm warm. Heizen die von der Leuphana eigentlich mit Biostrom?

Von meinem Platz im Auditorium habe ich einen guten Blick durch die Fenster nach draußen und kann beobachten, wie die Natur um mich herum verwelkt. Es wird Winter. Die sonnigen Tage am Wochenende – ein letztes Aufbäumen. Doch die Kälte kommt mit schnellen Schritten, schon am nächsten Wochenende sollen es nur noch fünf Grad sein.
Ganz vorne im Hörsaal steht Doktor Kora Kristof; sie kommt vom Umweltbundesamt und will uns etwas über Nachhaltigkeit erzählen. Ihr Thema: „Globaler Wandel als gesellschaftliche Herausforderung: Multiple Krisen und die große Transformation“.
Kora Kristof beginnt. Es geht um Leitfragen. Ich schreibe artig mit: „Was erwärmt Ihr Herz und fühlt sich gut für Sie an...“ – Ja, das könnte ich Frau Doktor leicht beantworten. Nun, gewiss würde ich mich besser fühlen, wenn ich etwas zu Essen bekäme, denn ich habe Hunger. In meinem Rucksack finde ich einen Apfel. 
Während Kora Kristof so redet, schweift mein Blick immer wieder nach draußen auf die Bäume vor dem Auditorium. Noch besitzen sie Blätter, doch auch diese haben sich bereits angefangen zu verfärben und ein Großteil von ihnen befindet sich schon tot, traurig auf der Erde zu ihrem Stamm zusammengefegt.  
Wenn ich die Bäume vor dem Fenster so betrachte, dann fällt mir auf, dass ich gar nicht weiß, um was für Gewächse es sich handelt. Mein Blick kehrt wieder zu Frau Kristof zurück, die währenddessen über „Urban-Gardening“ referiert und schließlich auf den angebissen Apfel in meiner Hand. 
Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn statt dieser, mir namentlich unbekannter Vegetation, sich Apfelbäume vor dem Auditorium befänden. Freilich könnte man sich, bekäme man Hunger, einen frischen Apfel pflücken und würde Geld sparen. Geld, das man sonst in der Mensa für ein warmes Mittagessen ausgegeben hätte.
Und auch das Management der Universität würde gewiss einen Nutzen aus den Apfelbäumen zu ziehen wissen. Ein Teil der Äpfel würden sie sicherlich zu Saft verarbeiten und dann verkaufen. Schokoladenriegel und Süßigkeiten in der Mensa würden durch luftgetrocknete Apfelringe, als auch Apfelkuchen ersetzt.
Ich beiße ein großes Stück aus meinem „Holsteiner Cox“ heraus. Jedes Jahr würden die Bäume neue Früchte tragen.
Ja, während mir die Nachhaltigkeit im süßem Saft auf der Zunge zergeht, erinnert mich meine Winterjacke, die zu meinen Füßen liegt daran, was die Natur draußen vor dem Fenster bestätigt: Es ist Herbst.
Die große Transformation zu einem mit Kernobstgewächsen bestückten Campus wird wohl einstweilen ausbleiben.
Ich schaue auf meine Notizen und mir fällt auf, dass ich Frau Doktor Kristofs Frage am Anfang des Vortrages noch nicht zu Ende gelesen habe. „Was erwärmt Ihr Herz und fühlt sich gut für Sie an rund um das Thema Nachhaltigkeit?“
Ja, auch diese Frage kann ich sofort beantworten: Es fühlt sich gut an, zu wissen, dass Mutter Erde nachhaltig noch nicht so geschädigt ist und auch weiterhin so etwas wie Jahreszeiten zulässt. In einem halben Jahr wäre dann schon wieder Frühling. Die ersten lauen Sonnenstrahlen und Maiglöckchen. Ja, der bloße Gedanke daran erwärmt mir mein Herz. 

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