Sandfarbene Locken scheinen
hell im Licht, zerbrechlich, so als würden sie zerspringen wie Eiszapfen, wenn
man sie nur berührte. Sie liegen hübsch um das Angesicht des jungen Mädchens,
umrahmen es; zärtlich drapiert und nie wieder bewegt.
Es ist ein Ausdruck der
Kindlichkeit, der ruhig auf dem Gesicht des Mädchens liegt. Geschlossene Augen
und die Lippen ein wenig geschürzt, friedvoll, so als träume sie.
Das Kleid, welches das Kind
seit jeher trägt, sieht aus wie am ersten Tage, unbenutzt und erhalten. Der
blaue Stoff fühlt sich hart und spröde an; die Farbe war vielleicht ein wenig
satter, als das Kleid noch im Schaufenster hing.
Ein paar Augenblicke noch
steht die Mutter vor der geöffneten Kühltruhe, in der das tote Kind liegt. Dann
wird es wieder dunkel um den erstarrten Körper.
Rasch schließt die Mutter
die Kühltruhe wieder und verlässt den Keller. Sie eilt die hölzerne Treppe nach
oben, den wärmenden Sonnenstrahlen entgegen, wo sie Gelächter vernimmt. Die
Anderen und der Jüngste lärmen im Garten.
In der Hand hält sie das
Erdbeereis, das sie zuvor der Kühltruhe entnommen hatte.
In der offenen Küchentür da
wartet Frank. Die Nachmittagssonne vergoldet sein blondes Haar, ganz liebevoll
sieht er aus, sie anlächelnd.
Einen Kindergeburtstag ohne
Eis; das kann sie sich nicht vorstellen – und Frank, der weiß, dass sie auch
früher schon eine gute Mutter war.
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