Mein
Vater kann so nett sein, habe ich gemerkt, doch ist er immer nur nett, wenn er
nicht zu hause ist. Zu hause ist er gemein zu uns, zu meiner Mutter und mir und
zu unserem Hund.
Da
streiten sich meine Eltern immer und dann nimmt mein Vater meiner Mutter immer
Sachen weg, die sie zum Leben braucht, wie die Fernbedienung oder die
Autoschlüssel. Zu hause unterdrückt mein Vater uns, genauso wie Hitler, der den
Juden auch lebenswichtige Sachen weggenommen hat und ihnen viel verboten hat.
Aber das sage ich meinem Vater nicht, denn er würde sehr wütend werden und ganz
fürchterlich mit mir schimpfen und ich müsste mich an die Wand stellen, für
eine halbe Stunde oder auch für länger.
Hitler
beschäftigt mich. Seit der einen Nacht, in der mein Vater mir von Hitler
erzählt hat, muss ich immer an ihn denken. Und mir fällt auf, dass heute viele
Leute Hitler ähnlich sind. Viele Menschen tun böse Dinge, die Hitler auch
gemacht hat. Und wenn ich jetzt Bilder male, dann sehen alle Leute, die ich
nicht mag, aus wie Hitler. Und Hitler hatte auch ein Symbol. Es heißt
Hakenkreuz. Und als ich es mit einem Stein in den Lack vom Auto meines Vaters
gekratzt hab, wurde er wieder fürchterlich wütend und hat geschrieen.
Wenn
mein Vater so zu meiner Mutter ist, dann macht mich das traurig und auch
wütend. Dann bekomme ich in der Nacht Alpträume und am nächsten Tag in der
Schule bin ich dann schlecht gelaunt und frech zu Fräulein Krieger.
Wie
an dem Tag, als meine Klasse einen Ausflug gemacht hat und ich so wütend auf den
bösen Michi wurde, weil er mich die ganze Zeit ärgerte und mich einen Juden
nannte, dass ich ihn, als er Charlotte einen seiner gelb – goldenen Sterne ins
Auge drückte, auf die Straße geschubst hab und er überfahren wurde.
Jetzt
ist der böse Michi tot. Und Fräulein Krieger, die ist auch tot, denn die ist
nach dem Michi auf die Straße gelaufen, um nach ihm zu sehen und wurde auch
überfahren.
Und
mein Vater, der ist weg. Der ist nämlich jetzt im Gefängnis, weil er nicht auf
mich aufgepasst hat und weil er meine Mutter bedroht hat.
Aber
dass meine Mutter nun glücklicher ist, jetzt wo mein Vater weg ist, nein, das
denke ich nicht, denn sie macht immer ein trauriges Gesicht. Ich bin auch ein
bisschen traurig. Vielleicht mochte sie meinen Vater ja doch ganz gerne.
Meine
neue Schule ist eine besondere Schule. Ich wohne hier auch. Alle sind nett zu
mir und kümmern sich viel um mich. Trotzdem wird mein Zimmer zur Nacht
abgeschlossen und ich kann nicht noch einmal aufstehen und zur Toilette gehen.
Rausgucken
kann man auch nicht so gut, denn vor den Fenstern sind Gitter.
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