Und
nach dem Erwachsenengespräch haben wieder alle ganz fürchterlich geschimpft mit
mir und jetzt darf ich den bösen Michi nicht mehr angucken.
Und
das ist ganz fürchterlich ungerecht, denn der böse Michi guckt mich immer an.
Der böse Michi wirft auch mit Sachen nach mir, wenn Fräulein Krieger nicht
guckt. Einmal hat er im Unterricht den Klassenleguan nach mir geworfen. Und ein
anderes Mal da hat der böse Michi das Klassenprojekt Hühnerei nach mir geworfen
und das ist dann kaputt gegangen und mein ganzes Haar war voller Hühnerei und
ich habe angefangen zu weinen und alle haben gelacht und ich habe stärker
geweint und alle haben stärker gelacht und Fräulein Krieger, die auch gelacht
hat, hat mir dann einen gelb – goldenen Stern weggenommen, für mein schlechtes
Betragen.
Und
wenn ich aufs Klo gehe, dann ist der böse Michi schon da und zwingt mich Seife
zu essen. Und wenn ich in die Klasse gehe, dann wirft der böse Michi mit Sachen
nach mir. Und wenn ich raus auf den Schulhof gehe, dann ist der böse Michi auch
schon da und zwingt mich Sand zu Essen. Und wenn ich dann wieder nach drinnen
gehe, dann folgt mir der böse Michi und wirft mit Sand nach mir. Und wenn dann
die Schule aus ist und es nicht Montags oder Mittwochs ist, dann war der böse
Michi schon da und hat die Luft aus meinen Fahrradreifen gelassen.
Und
Fräulein Krieger, die ja eigentlich gelb – goldene Sterne verteilt und zu vielen
Kindern unfreundlich ist, außer zu Erwachsenen und dem bösen Michi, nimmt mir
meine gelb – goldenen Sterne weg.
So
ist es jeden Tag.
Einmal
hat mein Vater mit mir vor dem ins Bett gehen über Hitler gesprochen, weil er
meinte, ich müsse mich mit unserer deutschen Geschichte auseinander setzen. Und
er hat mir auch erklärt, dass Hitler ein sehr böser Mensch war, der auch gelb –
goldene Sterne an die Juden verteilte.
Ich
konnte diese Nacht nicht schlafen, weil ich die ganze Zeit über Hitler
nachdenken musste. Ich mag diesen Hitler nicht, weil er böse Sachen gemacht hat
und gemein zu den Juden war. Das erinnert mich an Fräulein Krieger, die auch
gelb – goldene Sterne verteilt und den bösen Michi. Beide sind auch jeden Tag
ganz schrecklich gemein zu mir.
Und
als Fräulein Krieger am nächsten Tag in der Schule gemein zu mir war, da hab
ich sie einfach „Hitler“ genannt. Und dann haben alle, also der Direktor, meine
Eltern und Fräulein Krieger mit mir geschimpft, so doll wie, als mich der böse
Michi gezwungen hatte, die Sterne auf seiner Unterhose zu zählen.
Und
dann hatten alle ein Erwachsenengespräch, also nicht die Art wie mein Vater und
Fräulein Krieger immer haben. Nein, die andere Art. Und dann haben sie gesagt,
dass es vielleicht besser wäre, wenn ich auf eine andere Schule ginge. Und das
freute mich, denn dann wäre ich ja weg von Fräulein Krieger und dem bösen Michi
und die beiden könnten mich nicht mehr ärgern.
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